„Es ist schwieriger, eine vorgefasste Meinung zu zertrümmern als ein Atom“ (Albert Einstein)

Vorurteile sind vorgefasste Meinungen, die vor dem Prozess einer eigenen Urteilsbildung stehen und nicht selten ganze Gruppen ungerecht beurteilen und bewerten.

Wer Vorurteile hat, denkt häufig ohne ausreichende Begründung schlecht über andere. Und wer schlecht über andere denkt und redet, richtet häufig auch sein Handeln danach aus. Gerade das macht Vorurteile gefährlich, denn auf lange Sicht führen sie zu Diskriminierung und Ausgrenzung. Klar ist: rassistischen und diskriminierenden Aussagen sollte stets und umgehend mit Gegenwind und Argumenten begegnet werden.

Bekanntermaßen argumentieren rechte Demagogen häufig vorurteilsgeprägt und versuchen diese Vorurteile durch ständige Wiederholung in den Köpfen zu verankern. Aber nicht nur in beispielsweise PEGIDA-Kreisen gehören Vorurteile gegen Geflüchtete, Frauen oder Menschen mit Behinderung zum normalen Sprachgebrauch. Rassistische, sozialdarwinistische und chauvinistische Tendenzen treffen auch in der breiteren Bevölkerung auf Zustimmung, wie die Mitte-Studien der Friedrich-Ebert-Stiftung und Universität Bielefeld belegen.

Ausdruck und Verbreitung finden diese Vorurteile häufig in den Sozialen Netzwerken. Der Paritätische will sich dieser rassistischen Stimmungsmache entschieden entgegenstellen. Wir haben unten stehend gängige Vorurteile rechter Demagogen gesammelt und ihnen Argumente und Fakten für eine sachliche Diskussion entgegengestellt. Denn insgesamt gilt: nicht zu widersprechen, bedeutet Zustimmung. Auch und gerade bei Vorurteilen.

Fakten gegen Vorurteile!

Die Familie aus Vater, Mutter und Kind ist die Keimzelle der Gesellschaft.

Richtig, aber:

  • Jeder Mensch hat ein Recht auf Selbstbestimmung und eigene Lebensplanung.
  • Das Zusammenleben von Menschen in Deutschland kennt viele Formen.
  • Erhöhte Geburtenrate schützt nicht vor demografischem Wandel.

Fakten und Argumente

Jeder Mensch hat ein Recht auf Selbstbestimmung und eigene Lebensplanung.

Das Zusammenleben von Menschen in Deutschland findet im 21. Jahrhundert in ganz unterschiedlichen Formen statt, ob nun als Paar oder Single, in einer Ehe, nicht ehelicher Lebensgemeinschaft oder eingetragener Lebenspartnerschaft, mit und ohne Kinder, als Paar- oder Einelternfamilie. Die Formen des Zusammenlebens sind vielfältig, genauso wie die sexuellen Orientierungen von Menschen. Ein zeitgemäßes Familienbild basiert auf einer selbstbestimmten partnerschaftlichen Rollenverteilung. Das bedeutet, dass beide Eltern – egal welches Geschlechts – freiwillig und gemeinsam bestimmen können, wie sie Berufs- und Familienarbeit miteinander vereinbaren. Ein solches Verständnis von Partnerschaftlichkeit eröffnet faire Optionen, die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln. Das Recht auf Selbstbestimmung und eigene Lebensplanung mit und ohne Kind ist Grundvoraussetzung für ein geschlechterdemokratisches Miteinander. 

Das Zusammenleben von Menschen in Deutschland kennt viele Formen

In Deutschland lebten 2014 17,5 Mio. Ehepaare; 2,9 Mio. gemischt- oder gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften sowie 18 Mio. alleinstehende Personen. Von den 18 Mio. Alleinstehenden galten rund 2,7 Mio. als alleinerziehende Mütter und Väter. Im Vergleich zu 2004 sank die Zahl der Paare, die in einer Ehe lebte von rund 19 Mio. auf 17,5 Mio. Im gleichen Zeitraum haben alternative Lebensformen in Deutschland an Bedeutung gewonnen. Der Mikrozensus weist für 2014 rund 87.000 gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften aus, rund 41.000 davon waren eingetragene Lebenspartnerschaften. Familienformen sind vielfältiger geworden. Im Jahr 2014 gab es in Deutschland knapp 8,1 Mio. Familien mit minderjährigen Kindern. Sieben von zehn Familien (69 Prozent) lebten als Ehepaare, alleinerziehende Mütter und Väter hatten einen Anteil von 20 Prozent, 10 Prozent aller Familien waren Lebensgemeinschaften mit Kindern. Während die Zahl der traditionellen Familien – Ehepaare mit Kindern – zwischen 2004 und 2014 von 6,7 auf 5,6 Mio. gesunken ist, wuchs der Anteil alternativer Familienformen: So stieg die Zahl der Lebensgemeinschaften mit minderjährigen Kindern von 684.000 im Jahr 2004 auf 883.000 2014. Die Zahl der Alleinerziehenden stieg in diesem Zeitraum auf rund 1,6 Mio.

Erhöhte Geburtenrate schützt nicht vor demografischem Wandel

Wer sich um den demografischen Wandel sorgt, muss mit einer kinder- und familienfreundlichen Politik beginnen. Doch auch mit einer höheren Geburtenrate wird der demografische Wandel nicht aufzuhalten sein. Ohne die Zuwanderung junger Menschen wird die Bevölkerung noch älter werden und schrumpfen. Bis Ende der 1960er Jahre bekam jede Frau in Deutschland im Schnitt zwei Kinder. Anfang der siebziger Jahre sank die Geburtenrate auf 1,4 Kinder je Frau – und ist bis heute so niedrig geblieben. Wenn die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er und 1960er Jahre in Rente gehen, also in den kommenden zehn bis zwanzig Jahren, scheiden mehr Menschen aus dem Erwerbsleben aus, als Berufsanfänger/-innen dazukommen. Selbst bei einer jährlichen Nettozuwanderung von 100.000 werden im Jahr 2030 nur noch 45,5 Millionen 15- bis 64-Jährige in Deutschland leben. Das sind fast 9 Millionen weniger als heute. Auch mehr Zuwanderer/-innen können den demografischen Wandel nicht vollständig ausgleichen: Nach Berechnungen der Vereinten Nationen müssten bis 2050 188 Millionen Menschen nach Deutschland einwandern, um das Verhältnis von Jüngeren zu Älteren konstant zu halten.


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